Befinden wir uns auf den Weg in die Rezension – und wenn ja, welche Auswirkungen hat diese auf die zweite Generation des Internets, dem Web 2.0?
Eine Frage die selbst Experten (oder hier) nicht zu beantworten wagen. Dennoch die US-Finanzkrise zeigt ihre ersten Auswirkungen auf die Hightech Welt – insbesondere auf das meist ohnehin knapp bemessene Kapital von Startups. So berichtete Techcrunch von einem Rückgang von 8,5 Prozent des
Investitionskapitals für das erste Quartal in 2008 im Vergleich zum Vorjahr auf dem amerikanischen Markt. Wurden im vergangenen Jahr also noch Rekordwerte erreicht so müssen viele Firmen dieses Jahr den Gürtel enger schnallen oder sogar ganz aufgeben.
In den vergangenen Wochen und Monaten gab es in den Medien eine weitläufige Diskussion darüber ob sich der Internet Markt wie im Jahr 2000 auf einen harten Fall zu bewegt. Damals kam es durch das Platzen einer Spekulationsblase, die insbesondere die so genannten Dotcom-Unternehmen betraf und vor allem durch überhöhte Gewinnerwartungen der Investoren in neue technologische Entwicklungen ausgelöst wurde, zu einem Zusammenbruch der gesamten Industrie.
Aber diesmal ist alles anders – oder zumindest Manches. Genau genommen muss sich der Markt mit zwei Problemen auseinandersetzen: zum einen mit der weltweit angeschlagenen ökonomischen Situation, ausgelöst durch die Kredit- und Immobilienkrise in den USA und zum anderen mit der vermeintlichen Blase innerhalb des Web 2.0, die vor allem durch schwache Finanzierungskonzepte und einer Übersättigung von „Copycat Produkten“ zu platzen droht.
Dennoch sind Experten diesmal weit optimistischer, denn wurden in der Krise im Jahr 2000 Unsummen in die Entwicklung neuer Technologien investiert, was zu einer Überbewertung des gesamten Marktes und schließlich zum Zusammenbruch führte, so scheint man heute aus den Fehlern gelernt zu haben und Kapital fließt überlegter und vor allem in einem realistischeren Ausmaß. Auch die Tatsache, dass die instabile wirtschaftliche Situation ein globales Problem ist, macht die Investition in den Hightech-Markt selbst mit Sicherheit schwieriger aber scheint dennoch weniger irrational als zu Beginn des neuen Jahrzehnts – ein wesentlicher Unterschied also.
Komplexer ist die Situation jedoch innerhalb des Marktes. Das Internet in seiner zweiten Generation steht vor allem für Social Media, wobei der Schwerpunkt auf User generierte Inhalte und soziale Vernetzung liegt. Dies bietet auf der einen Seite zwar neue Möglichkeiten, vor allem im Marketingbereich (dazu später mehr), auf der anderen Seite fehlt es jedoch an überzeugende Finanzierungsmöglichkeiten. Traffic ist das Zauberwort – und an ihm wird der Erfolg eines Projektes gemessen. Leider bringen hohe Besucherzahlen in den wenigsten Fällen auch wirklich Gewinn, was eine langfristige Eroberung dieses Sektors für viele Unternehmen schier unmöglich zu machen scheint. Kaum ein User ist heute noch bereit für die Nutzung einer Seite zu bezahlen, was an der Vielzahl von kostenlosen Angeboten liegt – die kostenpflichtige Nutzung von Facebook oder in Deutschland StudiVZ – ein Absurd. Nur in den wenigsten Fällen (siehe LinkedIn und XING) gelingt es Anbietern ihre User zu überzeugen auch zu bezahlen – Vorraussetzung: ein unentbehrlicher und nicht auf anderen Seiten zu ersetzender Gewinn für den User. Dies erfordert neben einem gut durchdachten Membership–Modell (z.B. mit kostenlosen Basis Angeboten und kostenpflichtigen Upgrades) innovative Ideen und ausgereifte Technologie. Hier befinden wir uns bereits an der nächsten Hürde, denn das Internet lebt derzeit von seinen zahlreichen Kopien. Wurde eine Idee einmal erfolgreich etabliert, so kann man davon ausgehen, dass in den nächsten Wochen „Copycats“ wie Pilze aus dem Boden sprießen – den „ich war zuerst hier Bonus“ bekommen dabei die wenigsten Unternehmen. Ein Wettlauf mit der Zeit also, der neben der Kreativität auch auf Kosten der Qualität geht.
Das Problem ist also weniger die Idee des Web 2.0 selbst, sondern vielmehr die unausgereiften Finanzierungsansätze und dies führt mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit sehr bald zwar nicht zu einem Zusammenbruch jedoch zu einer Bereinigung des Marktes.
FAZIT
Persönlich bin ich der Ansicht, dass sich eine Krise im Ausmaß des Dot-com Zeitalters in dieser Form nicht noch einmal wiederholen wird. Genau genommen befindet sich das Internet in keiner Blase, sondern vielmehr in einer Sachgasse, die viel Innovationspotential in sich trägt. Ich bin davon überzeugt, dass viele Unternehmen auf Grund der geschilderten Problematik auf dem Weltmarkt und innerhalb des Sektors aufgeben werden müssen – viele Andere jedoch nicht. Insgesamt also ein Fall - der erwartete Knall wird jedoch ausbleiben. Das Internet ist schon lange nicht mehr nur ein Experiment dessen Ausmaß nicht abzusehen ist. Die Reichweite und Ausbreitung dieses Medium sprechen dabei für sich. Nur die Frage, wie gut Unternehmen mit dem rasanten Wachstum mithalten können, um dabei auch Geld zu verdienen, muss in naher Zukunft neu verhandelt werden – nicht mehr und nicht weniger!
Bildquelle: Cosas sencillas
Schlagworte: Bannerplatzierung, Branding, Copycat, Dot-com, Dotcom-Unternehmen, Emailmarketing, Facebook, Finanzierungskonzepte, Hightech Welt, Hightech-Markt, Internet, LinkedIn, Rezension, Social Media, Social Networks, soziale Vernetzung, Spekulationsblase, Startup, StudiVZ, Techcrunch, Traffic, US-Finanzkrise, User generierte Inhalte, Viral Marketing, Web 2.0, XING
Oktober 14, 2008 um 8:13 Uhr nachmittags
Ich glaube Sie haben Rezension mit Rezession verwechselt? Wenn nicht, dann entschuldigen Sie für die Störung.